Stand: 01.12.2017 - Anzeigen: 1.190 - Hersteller: 59 - Produkte: 579

Anzeigen und Werbesprüche der Musikinstrumentenbranche mit Hörbeispielen
Ausgabe 1: Elektronische Musikinstrumente
Zum Anschauen und Reinhören

EINLEITUNG

Werbung begleitet uns Neuzeitmenschen «von der Wiege bis zur Bahre». Die Werbung in der Musikinstrumenten-Industrie hatte es schwer, nicht nur weil auf wenige Produkte beschränkt, sondern es fehlte anfänglich das Verständnis für die Notwendigkeit werblicher Maßnahmen.

In ihrem Erstlingsband im Oktober 1880 schreibt die Zeitschrift für Instrumentenbau als Redaktionsvermerk:

"Während in anderen Branchen schon seit langer Zeit Special-Zeitungen durch blühendste Verhältnisse darlegen, wie erspriesslich die Wirksamkeit eines Fachorganes für sämtliche Beteiligte ist, entbehrte merkwürdiger Weise der Instrumentenbau bis zur Stunde noch eines solchen Unternehmens."

Auch eine Eigentümlichkeit erschwerte den Start, nämlich

"… dass, leider der Deutsche neuen Unternehmungen stets abwartend, um nicht zu sagen misstrauend entgegen kommt".

Das gilt auch für die damals noch verpönte Werbeindustrie, die man als solche eigentlich noch gar nicht bezeichnen dürfte. Der Herausgeber Paul de Wit nennt als Firmenphilosphie

"Belehrung - Anregung - Unterhaltung, das wird das Dreiblatt sein, unter strengstem Ausschluss jeder Sonderinteressen zum Wohle und Nutzen des grossen Ganzen."

Auch die Redakteure der Zeitschrift gingen mit hehren Vorstellungen zu Werke und schreiben im Vorwort:

"Diese vielköpfige Hyder, in unserer Zeit leider sehr häufig gepflegt und sehr weit verbreitet, ist die Reclame. Wir müssen und werden derselben stets fernbleiben, denn nur dann ist überhaupt eine gedeihliche Verbreitung … für das Gesamtinteresse möglich."

So weit die Theorie, denn allein in der Erstausgabe sind von fünfzehn Seiten allein fünf Seiten prall gefüllt mit «Verbraucherinformationen».

Die Zielgruppe

Um welche Produkte geht es eigentlich?

Es sollen alle Arten von Musikinstrumenten in Betracht gezogen werden:

"Pianoforte -, Harmoniums, Streichinstrumente, Holz- und Blechblas-Instrumente, Zithern und Guitarren, Harmonikas, Glocken, Spieldosen und automatische Werke, Schlagzeuge u. dgl. m."

Auf den ersten Blick eine etwas magere Zielgruppe, denn nur das gut betuchte Bürgertum war in der Lage, solche Instrumente überhaupt bezahlen zu können.

Schauen wir mal auf die damals herrschende Werbepraxis, z.B. der Firma Hölling & Spangenberg, knapp 140 Jahre zurück:

Anzeige: Die Hof-Pianoforte-Fabrik von Hölling & Spangenberg

Inserat aus: Zeitschrift für Instrumentenbau, Bd.: 1, Leipzig, 1880-81, Seite 3

"Die Hof-Pianoforte-Fabrik von Hölling & Spangenberg in Zeitz gegründet 1843, welche vor kurzem das 16000ste Instrument versandte, hält, gestützt auf die langjährige Erfahrung und das in allen Welttheilen erworbene Renommé, ihr solides und für die Dauer berechnetes Fabrikat geneigter Beachtung bestens empfohlen. Preis-Courante und Kataloge stehen auf Wunsch franco zu Diensten."

Dies nur als ein Beispiel für die Art und Weise der Inserate, da es zu weit führten würde, dieses Thema auszudehnen, denn ich will ja nicht „belehren“, sondern unterhalten und informieren.

Das Konzept

Dieses Erstlingswerk ist ein Versuch, anhand von Anzeigen aus diversen Fachzeitschriften etwas von der Mentalität, Kreativität und Informationstiefe weiterzugeben, die in vielen dieser „Machwerke“ steckt. Besonders die Vielfalt der Slogans und Werbetexte ist beeindruckend.

Ausgangspunkt für jedes vorgestellte Instrument ist die passende Reklame, erschienen in der Zeitschrift KEYBOARDS aus den Jahren 1989 bis 1994. Ich habe diesen Zeitraum ausgewählt, weil die Redaktion der Zeitschrift KEYBOARDS Ihren Abonnenten hier zum ersten Mal Audio-Demos auf Schallplatten-Folien beilegte. So kann ich Ihnen für diese Zeit authentische Demos zu Gehör bringen, beschränkt auf jeweils ca. 30 Sekunden. Und als besonderen Service, da man die Texte der meisten Anzeigen nicht immer gut lesen kann, habe ich einige dieser Anzeigentexte «tonalisiert»: Lassen Sie sich überraschen!

Neben diesen Hörbeispielen finden Sie auch Produktfotos mit kurzen Facts und Auschnitten aus den Testberichten mit Hinweisen zu den verwendeten Quellen. Auch andere «Nebensächlichkeiten» der Branche wie Künstlerporträts, Lesermeinungen, Tipps etc. der letzten 30 Jahre sind hier zu sehen. Das Ganze wird nach und nach ergänzt durch Anzeigen der Jahre 1972-1984, 1985 bis 1989, 1990 bis 1997 ... und dann mal schauen, ist ja eine ganze Menge ...

Die Bilder und die Hörbeispiele sind absichtlich in geringerer Qualität gehalten, um die Dateigrößen so klein wie möglich zu halten. Allerdings habe ich manche Anzeigen etwas «aufgehübscht», da die Originale zunehmend verblassen.

Wie können Sie mitmachen?

Wenn Sie Anzeigen, Inserate, Ton- und Filmaufnahmen oder andere Kuriositäten entdecken oder zu hause rumliegen haben, die sich mit dieser Thematik beschäftigen, freue ich mich über eine Nachricht von Ihnen (Mail-Adresse siehe Impressum).

32457 Porta Westfalica

Bernd Kunz (aka Hugo Berndt)